Die Geschichte der Ökoschule


Der Anfang des Jahres 1992 bekannt gewordene Entwurf der Schulnetzplanung des Landkreises Greiz erhitzte die Gemüter stark. Er stellte die weitere Existenz der Grundschule Reudnitz und der Regelschule Mohlsdorf in Frage ...

Zur Begründung wurde angeführt, dass nach dem Thüringer Schulgesetz eine Regelschule mindestens 220 Schüler und eine Grundschule mindestens 60 Schüler besitzen müsse.
Die Ausführungen von Schulamtsleiter Herr Schlegel waren von lautem Protest der Eltern begleitet. An erster Stelle, so der Tenor der Eltern und Lehrer, dürfen nicht wirtschaftliche Überlegungen stehen, sondern das Wohl der Kinder.
Nun begann ein zähes Ringen um die Erhaltung der Schulen in Reudnitz und Mohlsdorf.

Das Ringen um den Erhalt der Schulstandorte Reudnitz und Mohlsdorf

Im Juli 1992 wurde daraufhin eine Bürgerinitiative gegründet. Gleichzeitig veröffentlichte die Gemeindevertretung Reudnitz eine Stellungnahme zum Entwurf der Schulnetzplanung.
Für uns ist die Schule der kulturelle Mittelpunkt der Gemeinde und ein wichtiges Merkmal unserer Identität. Diese Schule wurde von Reudnitzern für Reudnitzer zum Teil unter großen Opfern 1928 gebaut. Auf einem weiteren Treffen der Bürgerinitiative für den Erhalt der Schulen wurde das weitere Vorgehen beraten und beschlossen:

  • Einreichung einer Petition an den Petitionsausschuss des Landtages
  • Einbeziehung des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND)
    in die Arbeit der Bürgerinitiative

15 Mitglieder der Bürgerinitiative "Rettet die Landschulen" entschlossen sich am 10. September 1992 einen Verein zu gründen, die "Interessengemeinschaft zum Erhalt der Landschulen in Thüringen".

Die Gründung des IGZELIT e.V.

Zum Vorsitzenden wurde Werner Wilk und zu seiner Stellvertreterin Steffi Leske gewählt.
Um sich und sein Anliegen einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen sowie um Unterstützung zu werben, führte der soeben gegründete Verein am 31. Oktober 1992 in der Regelschule Mohlsdorf ein sehr gut besuchtes Herbstfest durch. Im Anschluß daran wandten sich viele Gottesgrüner, Mohlsdorfer, Reudnitzer und Kahmerische mit weiteren Petitionen an den Landtag.

Im Laufe des Jahres 1992 setzte das Kultusministerium mit Rücksicht auf die Widerstände und die vielen ungelösten Probleme die Schulnetzplanung aus und verschob sie auf 1993. Damit schien auch für Reudnitz wenigstens Zeit gewonnen zu sein.

Die Idee einer ökologisch orientierten Schule wurde geboren.
Bereits am 21. Januar 1993 wurde bekannt, dass der Kreistagsausschuss für Kultur und Bildung einen im Landratsamt erarbeiteten Entwurf für das künftige Schulnetz am 2. Februar in Reudnitz beraten und eine Empfehlung für den endgültigen Beschluss erarbeiten werde.

Am 25. Februar 1993 erklärte der Bildungsausschuss eindeutig, dass eine Genehmigung des Ministeriums für die Fortführung der Grundschule Reudnitz und der Regelschule Mohlsdorf nicht zu erwarten sei. Trotz Anfeindungen in der Presse und dem Kreistag wurde die Arbeit des Vereines verstärkt.
In Vorbereitung der entscheidenden Sitzung des Kreistages fand eine viel beachtete Demonstration in Greiz statt. Diese öffnete den Weg für die Vorstellung eines neuen ökologischen Bildungskonzeptes vor dem Bildungsausschuss.

Nach ausgiebiger Prüfung des Konzeptes empfahl der Bildungsausschuss eine Sondergenehmigung für die Schulstandorte Reudnitz und Mohlsdorf zu erteilen. Der Kreistag beschloss jedoch mehrheitlich, den Schulbezirk Mohlsdorf aufzulösen und die Weiterführung der Grundschule Reudnitz abzulehnen.
Als Antwort darauf streikten am Vormittag des 18. März 1993 die Mohlsdorfer Schüler.
Als eine verständliche Reaktion sagte der Verein: "Dann gründen wir halt unsere eigene Schule."

Streik und "Dann gründen wir selbst eine Schule!"

Der Bürgermeister von Reudnitz setzte sich weiterhin für den Erhalt des Schulstandortes ein. Am 25. März 1993 stellten daraufhin die Vereinsmitglieder den Gedanken einer Ökoschule der breiten Öffentlichkeit vor. In einem Schreiben des damaligen Hessischen Umweltministers Joschka Fischer an den Verein heißt es: "Wir möchten Ihnen helfen, unsere Fehler beim Einrichten von Mammutschulen zu vermeiden. Wir sind bereit, weit mehr als nur moralisch Ihr Anliegen zu unterstützen."

Daraufhin besuchte Herbert Reeh, Referatsleiter für Umwelterziehung des Hessischen Umweltministeriums die Gemeinde Reudnitz und traf sich mit dem Bürgermeister und dem Verein vor Ort. Im Laufe des Treffens sicherte er finanzielle Hilfe zu.
Am 23. April 1993 stellten Vertreter des Vereines dem Kultusministerium das Konzept für eine Ökoschule in Reudnitz vor. Sie ersuchten den Minister um die Genehmigung ihres umfassenden pädagogischen Konzeptes und des bereits vorliegenden exakten Finanzplanes. Nun begann eine Zeit des Wartens, des Wartens auf die Genehmigung aus Erfurt.

Sie kam drei Tage vor Beginn des neuen Schuljahres am 1.9.1993.